So werden Kinder "Lese-Agent"
Was steckt dahinter, wenn 20 Viertklässlerinnen und Viertklässler eine volle Stunde weitgehend konzentriert an PCBildschirmen arbeiten, um zu sieben gar nicht so einfachen Aufgaben zu recherchieren? Kurz: Sie wollen viel über Lesen und Bücher erfahren und sich als „Leseagent“ qualifizieren. Stadtbücherei, Klassenlehrerin und Ehrenamtliche der Aktiven Bürger helfen ihnen dabei.
Was ist der Rahmen?
Die Stadtbücherei Lichtenfels hat unter Leitung von Christine Wittenbauer ein mehrstufiges Programm für Grundschulklassen im Stadtgebiet entwickelt:
- In den Jahrgangsstufen 1 und 2 erleben die Kinder mit dem „Lesekompass“ die Einführung in eine moderne Bücherei. Sie werden vertraut gemacht mit den Begriffen Bücher und weitere Medien, Roboter, Funktion des Systems Bücherei sowie Vorlesen.
- In den Klassen 3 und 4 geht es für die Kinder weiter: Sie können sich zum „Leseagenten“ entwickeln. Dazu werden ihnen Ausbildungsschritte angeboten zu Themen wie Recherche nach Büchern und Artikeln, Herstellung eines Buches, Arbeit mit Robotern und einfaches Programmieren.
Wer organisiert und unterstützt diese Schritte?
Initiator und erster Ansprechpartner ist die Stadtbücherei Lichtenfels (Tel. 09571 795-133). Stark eingebunden sind die jeweiligen Klassenleiter/-innen. Um kleinere Gruppen und intensivere persönliche Betreuung der Kinder zu ermöglichen, unterstützen Ehrenamtliche von den Aktiven Bürgern. Derzeit ergänzen sich hier vier Frauen: Katharina Jahn, Karin Jordan, Silke Kraus und Gerti Kugler-Hößel. Wer Interesse an einem solchen Engagement hat, kann sich gerne im Aktive-Bürger-Büro in Lichtenfels unverbindlich näher informieren.
Was geschah bei dieser ersten von zwei Lerneinheiten für vierte Klassen?
Zu Gast in der Stadtbücherei was Klassenlehrerin Sandy Nicodemus mit 20 Kindern. Begrüßt und eingeführt in die Inhalte wurden sie von Maria Nikol, Fachangestellte für Medien und Informationsdienste in der Stadtbücherei. Diese hatte auch einen Fragebogen mit sieben Suchaufgaben für jedes Kind vorbereitet. So sollten sie mit Hilfe des PCs zum Beispiel herausfinden, wie oft das Brettspiel Scrabble vorhanden ist.
Aufgeteilt in vier Fünfer-Gruppen ging’s dann fröhlich ans Recherchieren, was letztlich bei allen zum Erfolg führte. Betreut wurden die Kinder neben Maria Nikol und Sandy Nicodemus auch von Karin Jordan von den Aktiven Bürgern.
Was soll und kann diese Förderung von Grundschulkindern bewirken?
Gut lesen können ist bekanntlich eine, wenn nicht die Schlüsselqualifikation für Schulzeit und Berufsleben. Sie ist ganz entscheidend für praktisch alle Schulfächer und Berufe. Wer hier nachhängt, hat es oftmals besonders schwer, schulisch und beruflich voranzukommen. Andererseits stärkt die Fähigkeit, „viel und gut lesen können“ nicht nur den Erfolg, sondern auch Kreativität und Lebensfreude.
Dass Fördermaßnahmen wie der Leseagent durchaus beachtlich wirken können, konnte man am Verhalten der gesamten vierten Klasse der Grundschule Seubelsdorf erkennen: Zum Schluss durften sich die Kinder noch bis zu drei favorisierte Bücher kostenlos ausleihen, was durchweg rege genutzt wurde.
Ein Fazit kann man auf jeden Fall ziehen: „zur Nachahmung empfohlen“.
Reihe (v. re.) Klassenlehrerin Sandy Nikodemus, Karin Jordan von den Aktiven Bürgern und Maria Nikol von der Stadtbücherei