"Reich ist, wer viel hat, reicher ist, wer wenig braucht, am reichsten ist, wer viel gibt." Dr. Christian Fackelmann

In diesem Wort des Schriftstellers und Laienpredigers Gerhard Tersteegen aus dem 18. Jahrhundert liegt, liebe Leserinnen und Leser, viel Wahrheit – es bringt einen wesentlichen Gesichtspunkt des Gebens zum Ausdruck. Geben meint damit nicht allein die Spende von Geld, auch wenn darin eine sehr wichtige Form der Freigiebigkeit liegt, auf die unzählige wohltätige Organisationen dringend angewiesen sind.

Geben hat unendlich viele Ausdrucksformen, geschenkt werden kann Zeit, Fachkenntnis, Material oder Logistik: Die Familie, die ihrer gebrechlichen Nachbarin beim Einkaufen und sonstigen Besorgungen hilft; die Mutter, die das Kind einer Bekannten während deren Krankheit am Nachmittag betreut; Menschen, die in einem Verein oder einer losen Zusammenkunft etwas für einen guten Zweck tun, ohne dabei an den eigenen Profit zu denken; die ältere Dame, die regelmäßig in einer Bibliothek sitzt und dort Kindern Geschichten vorliest; der Verein, der für Flüchtlinge in einem Krisengebiet sammelt oder Hilfslieferungen dorthin organisiert.

Ein Beispiel für konkretes und wirkungsvolles Engagement vor Ort sind unsere Aktiven Bürger hier im Landkreis,die sich seit fast neun Jahren mit viel Zeit und Arbeit in einer Vielzahl von Institutionen ehrenamtlich einbringen. Als mich unser Landrat Christian Meißner im Jahr 2018 ansprach, eine Funktion in der Bürgerstiftung und der LISO-Stiftung zu übernehmen, war mir sofort klar, dass ich mitmachen wollte. Warum war das so? Nun, sicherlich spielte der Gedanke, damit anderen Menschen helfen zu können und etwas für einen „guten Zweck“ zu tun, eine wichtige Rolle. Es fällt uns leicht, zu erklären, warum Geben und Schenken für denjenigen wichtig und schön ist, der etwas bekommt. Warum aber ist es auch für uns selbst so wichtig, zu geben? Eine kürzlich von der Harvard Business School durchgeführte Studie untersucht, wie wohltätiges Verhalten zu Vorteilen auch für den Geber führen kann. Die Studie führt eine Vielzahl von Gründen an, warum Geben glücklich macht. Lassen Sie mich einige davon darstellen – und ich bin mir sicher, Sie finden, wenn Sie sich etwas Zeit nehmen, mindestens ebenso viele weitere Gründe, die für Sie Grund genug sind, aktiv zu werden und etwas zu geben – gerne auch für die Bürgerstiftung und die Aktiven Bürger im Kreis Lichtenfels:

  • Spenden oder das Aufwenden von Zeit und Engagement für wohltätige Zwecke verbessert Ihr Wohlbefinden: Zu wissen, dass Sie etwas Zeit, Geld oder Sachmittel zur Verfügung gestellt haben, um anderen zu helfen, gibt Ihnen Ihrem Leben, Ihrer Arbeit einen über die reine Selbstbezogenheit hinausgehenden Sinn und innere Zufriedenheit. Die Unterstützung einer Sache kann Ihnen helfen, Ungerechtigkeiten zu lindern und ein Bewusstsein für soziale Probleme zu schaffen: Wenn man über eine Spende an eine wohltätige Organisation nachdenkt oder sich dort sogar engagieren will, befasst man sich in aller Regel mit den Zielen dieser Organisation, also dem „guten Zweck“, den sie verfolgt. Man informiert sich über soziale Ungerechtigkeiten, nimmt dabei vielleicht eine ganz andere Perspektive ein, als man das bislang konnte. Mit anderen Worten: Sie schärfen auf diese Weise ganz allgemein Ihre Fähigkeit, soziale Schieflagen und Ungerechtigkeiten zu erkennen und etwas dagegen zu tun – nicht nur abstrakt, sondern ganz konkret in Ihrer Umgebung. Nur wer informiert ist, kann Probleme strukturiert angehen.
  • Spenden an eine wohltätige Organisation kann zu neuen sozialen Kontakten führen: Wenn Sie Geld an eine wohltätige oder gemeinnützige Organisation gespendet haben, verspüren Sie möglicherweise einen inneren Anreiz, sich stärker für die Sache zu engagieren, die diese Organisation verfolgt – Sie können, wie bereits die in der Organisation Tätigen, auch Ihre Zeit und Ihr Können einem guten Zweck zur Verfügung stellen und ein Ehrenamt übernehmen. Durch ein Ehrenamt erweitern Sie Ihre sozialen Kontakte, Sie lernen Menschen kennen und nutzen Ihre freie Zeit sinnvoll und ausgefüllt.
  • Aus religiöser Überzeugung für wohltätige Zwecke zu spenden oder sich zu engagieren, stärkt Ihren Glauben: Selbstloses Geben ist eine Schlüsselkomponente für viele spirituelle und religiöse Gemeinschaften. Die Erkenntnis, im Einklang mit Ihren religiösen und spirituellen Überzeugungen zu handeln, indem Sie Geld, Zeit oder Sachmittel anderen Bedürftigen zur Verfügung stellen, gibt Ihnen ein Gefühl von innerem Frieden und Zufriedenheit.
  • Fühlen Sie sich reich: Wenn Sie etwas von Ihrer Zeit oder Ihren finanziellen Mitteln für Menschen geben, die es dringend brauchen, hat das wunderbare Auswirkungen auf Ihre eigene Persönlichkeit. Dabei ist es ganz gleich, wie viel Sie selbst haben: Schenken gibt Ihnen das Gefühl, dass Sie mit anderen teilen können, auch wenn Sie nicht viel haben. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen, die wenig Geld haben, im Vergleich zu wohlhabenden Menschen proportional mehr von ihrem Einkommen für einen guten Zweck spenden. Aber selbst wenn Sie kein Geld entbehren können, gibt es etwas, was Sie geben können: Ihre Zeit, Ihr Engagement und Ihr Können für einen guten Zweck.
  • Seien Sie Teil von etwas Größerem und wachsen Sie über sich selbst hinaus: Vielleicht ist es nicht viel, was Sie geben können – sei es Geld oder Zeit. Aber auch wenig kann viel sein: Wenn Sie sich mit anderen zusammenschließen, kann Ihr kleiner Beitrag eine sehr große Veränderung bewirken.

Und zu guter Letzt gibt es noch einen Grund, warum es eine Bereicherung für Sie selbst ist, etwas für eine gute Sache zu tun: Einfach, weil Sie es können. Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt. Es geht uns im Vergleich mit vielen anderen Regionen dieser Welt sehr gut. Wir haben die Möglichkeit, diese Privilegien für andere zu nutzen, bei uns und anderswo. Wohltätigkeit muss dabei nicht groß sein oder große Auswirkungen haben. Ein kleiner Akt der Freundlichkeit im richtigen Moment kann das Leben eines anderen Menschen entscheidend verbessern. Gerade in schwierigen Zeiten – und wir erleben gerade, wie unser Leben durch ein zuvor nicht gekanntes Virus förmlich aus den Angeln gehoben wird – ist es wichtig, nicht nur an sich zu denken. Wachsen Sie über sich selbst hinaus

Alles Gute

Ihr Dr. Christian Fackelmann

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