Merhawis Traum hat sich erfüllt

Foto: Matthias Einwag

(Fränkischer Tag vom 4./5. Mai 2019)

 

Merhawi Teame ist 25 Jahre alt. Vor rund vier Jahren kam er aus Eritrea als Asylbewerber nach Deutschland. Ein Jahr war er unterwegs, sagt er, über den Sudan und Libyen kam er. In Deutschland ist er inzwischen gut integriert. Das kommt aber nicht von alleine, Merhawi hat sich aktiv darum gekümmert, eine Perspektive für seine Zukunft in Deutschland zu bekommen.

Zunächst lebte Merhawi im Wohnheim in Schönbrunn. Dort wollte er so bald wie möglich weg. Nachdem sein Asylantrag anerkannt war, suchte er sich in Lichtenfels eine Wohnung. Und er kümmerte sich vehement darum, seine Sprachkenntnisse zu verbessern. Die Sprache ist seiner Ansicht nach eine Kernkompetenz. Darauf baut alles andere auf. Etwa das Finden eines Jobs und somit auch das berufliche Weiterkommen.

Im vergangenen Jahr bekam Merhawi ein Praktikum als Lagerist bei der Lichtenfelser Firma Concept Laser. Eigentlich war dieses Praktikum auf ein halbes Jahr befristet. Doch Dirk Gruber, sein Teamleiter, wollte ihn behalten: „Ich hab’ ihn nicht mehr fortgelassen, so gutmachte er das.“Gruber fügt hinzu: „Die Sprache ist der Dreh- und Angelpunkt, denn bei uns geht vieles über E-Mail-Kommunikation.“ Merhawi sei beruflich sehr engagiert: „Er versteht die Sprache und ist interessiert.“

Antonia Benz von der Marketingabteilung ergänzt: „Dadurch dass wir international agieren, ist eine große Offenheit in der Firma vorhanden.“ Merhawi sei überall im Haus beliebt und längst voll integriert.

Keine Ausbildung, keine Zukunft.

Seine Heimat Eritrea hatte der 25-Jährige verlassen, weil er dort keine Perspektive für sich sah. Nach elf Jahren in der Schule, sagt er, sei er zum Militär eingezogen worden. Ein Ende des Militärdienstes

jedoch sei für ihn nicht absehbar gewesen. Sein Vater beispielsweise sei inzwischen bereits zehn Jahre beim Militär, ohne dass er die Möglichkeit habe, diesem Zwang zu entkommen. Es ist ein Teufelskreis in Eritrea: Keine Ausbildung, kein Job, keine Zukunft.

Umso dankbarer ist Merhawi für die Hilfe, die er in Deutschland von vielen Seiten erhalten hat. Vor allem die Aktiven Bürger haben sich seiner angenommen und ihm immer wieder unter die Arme gegriffen. „Wir helfen einfach“, sagt Gaby Berg, die sich vor allem um die Sprachkompetenz bei Asylbewerbern kümmert. Bei ihren Deutschkursen für diese Menschen setzt sie Merhawi längst als kompetenten Partner ein, weil er ein idealer Vermittler ist und sich in die Situation der Asylbewerber hineinversetzen kann. Merhawi, der selbst die Hilfe der Aktiven Bürger beim Deutschlernen angenommen hatte, bezeichnet diese Art des Unterrichts, bei dem aufeinander eingegangen wird, als sehr hilfreich. Dabei lernen die Menschen, die nach Deutschland kommen, scheinbare Kleinigkeiten, die im Berufsleben jedoch unverzichtbar sind – Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit zum Beispiel. Gaby Berg und ihre ehrenamtlich arbeitenden Kolleginnen und Kollegen freuen sich, wenn sie diese Menschen unterstützen und zu deren Integration beitragen können: „Das Lachen, der Dank, der zurückkommt, ist unser Lohn.“

Ein normales Leben in Franken

Merhawi ist in Deutschland angekommen. Der Job als Lagerist bei Concept Laser macht ihm Spaß. Er möchte sich auch weiterbilden. Sein nächstes Ziel ist es, den Führerschein zumachen, denn gerne hätte er ein Auto. Darauf arbeitet er nun hin.

Text und Fotos: Matthias Einwag, FT vom 4./5. Mai 2019

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