Hochstadter Schulbibliothek unter den besten in Bayern

Darauf kann die Grundschule Hochstadt echt stolz sein: Sie ist eine von nur sechs Grundschulen in ganz Bayern, der das Gütesiegel „Treffpunkt Schulbibliothek – Fit in Medien“ verliehen wurde. Dabei hat die ganze Schulfamilie zusammengewirkt: Lehrerschaft, Schüler, Eltern und Gemeinde, unterstützt wurden sie maßgeblich von den „Aktiven Bürgern“. Anstoßgeberin war Schulleiterin Heike Klimke, die in Zusammenarbeit mit ihrem Kollegium und der seit sechs Jahren ehrenamtlich als Leiterin der Bibliothek engagierten Gerti Dorsch von den Aktiven Bürgern, die Bewerbung um das Gütesiegel auf den Weg gebracht hat.

 

Für welche Stärken wurde die Schulbibliothek ausgezeichnet?

Vier Kriterien wurden bewertet – in allen schnitt die Schule hervorragend ab:

1. Gute Ausstattung: Die Buchbestände sind deutlich erweitert worden: Für die 62 Schüler in den vier Grundschuljahrgängen stehen mehr als 1.000 Bücher zur Verfügung. Von besonders beliebten Titeln gibt es sogar mehrere Exemplare, um lange Wartezeiten beim Ausleihen zu vermeiden.

Zudem können auch Hörspiele und Spiele ausgeliehen werden.

Gerti Dorsch hat die notwendigen organisatorischen Voraussetzungen geschaffen und von Anfang an die Bestände nach Themen und Altersgruppen katalogisiert und nummeriert. So fällt die Auswahl leichter, und der Verbleib der Bücher ist jederzeit nachvollziehbar.Farbige Gardinen, mehrere Sitzgelegenheiten, attraktive aus dem Deutschunterricht entstandene Dekorationsstücke an Wänden und Decke - wie Bilder und Plakate von Buchvorstellungen - schaffen eine einladende Atmosphäre und machen die Schulbibliothek zu einem angenehmen Treffpunkt. Dabei und bei der Anschaffung vieler Bücher haben Eltern, Elternbeirat, Gemeinde sowie eine Reihe von Privatpersonen wertvolle finanzielle Hilfe geleistet. Besonderer Dank geht hier auch an diejenigen Eltern, die zahlreiche Bücherspenden aus ihrem Privatbestand der Schulbibliothek zukommen ließen.

2. Besondere Aktionen: Schulleiterin Heike Klimke hatte die Idee, jeweils zum Schulbeginn neue Kinderliteratur zum Kauf auszustellen. Fünf Lesepatinnen von den Aktiven Bürgern betreuten die Ausstellung am ersten Schultag. Die Eltern der Einschulungskinder hatten Gelegenheit, dieses Angebot kennenzulernen und wurden auch eingeladen, das eine oder andere Buch für die Schulbibliothek zu spenden. Davon machten diese wie auch Eltern der Klassen 2 bis 4 sowie eine Reihe von Großeltern regen Gebrauch. Wie Ina Schwarzenau vom Elternbeirat betont, sei diese Idee auf breiter Front gerne unterstützt worden, da ja auch die eigenen Kinder bzw. Enkel davon profitierten.

Zur Weihnachtszeit ist die Bibliothek besonders schön dekoriert. Jede Klasse kommt für eine halbe Stunde zu Besuch. Man singt gemeinsam weihnachtliche Lieder und bekommt von Gerti Dorsch passende Märchen und Verse vorgetragen. Hohe Aufmerksamkeit und eine feierliche Stimmung kennzeichnen diese Zusammenkunft.

Natürlich beteiligen sich das Kollegium und alle Lesepatinnen aktiv am bundesweiten Vorlesetag und stärken so in allen Klassen das Bewusstsein fürs Lesen. Besonders die Kooperation mit der mit dem Gütesiegel für Leseförderung ausgezeichneten Buchhandlung „buchunterwegs“ in Weißenburg bringt wertvolle Impulse und erweiterte Möglichkeiten, wie zum Beispiel Mitmachlesungen und Literaturtipps.

Die Lesekoffer-Aktion der Buchhandlung Dumproff in Lichtenfels wurde auch mehrfach zur Erweiterung des Leseangebotes in der Bücherei der Schule genutzt.

Nicht zuletzt werden schon die Vorschulkinder der nahegelegenen Kindertagesstätte einbezogen, indem sie zu Vorlesestunden in die Bücherei kommen dürfen, beziehungsweise die Erzieherinnen sich Bücher zum Vorlesen in der Gruppe ausleihen konnten.

Auch eine Umfrage per Fragebogen an die Nutzerinnen und Nutzer trägt zur Weiterentwicklung der Schulbibliothek bei.

3. Leseförderung im Unterricht verankern: Leseförderung ist an der Grundschule Hochstadt fest im Schulentwicklungsprogramm und Medien-Curriculum verankert. Die regelmäßige Evaluation der Ziele bezüglich der Weiterentwicklung im Bereich des Lehrplan Plus „Lesen und mit Medien umgehen“ lassen neue Ideen und Projekte entstehen, die Leseförderung an der Schule zu intensivieren und zu optimieren.

Im Rahmen einer Leseschiene erfolgt individuelle Förderung von Kindern in unterschiedlichen Leistungsgruppen.

Die Schule beteiligt sich kontinuierlich in allen Klassen am Projekt „filby“, das die Lesetechnik und Sinnerfassung unter anderem mit einer Klassenlektüre trainiert. Dazu wurden zum Beispiel mehr als zehn verschiedene Klassensätze von Büchern angeschafft. Diese stehen für den Unterricht beliebig lange zur Verfügung. Das Entscheidende dabei ist, dass jedes Kind sein persönliches Exemplar hat und dadurch gemeinsames Entdecken und Lernen ermöglicht wird.

Ergänzend wurden Brücken zu elektronischen Angeboten geschlagen. So können Kinder zum Beispiel bei „Antolin“ zuerst Bücher lesen und dann im Internet Fragen dazu beantworten. Dabei sammeln sie Punkte und werden bei guten Ergebnissen zum Schuljahresende mit einer Urkunde belohnt. Alle Antolin-Bücher der Schulbücherei wurden vom Elternbeirat mit einem kleinen Aufkleber als solche gekennzeichnet.

4. Akzeptanz in der Schulfamilie: Hier war das wichtigste Kriterium sicher die Nutzung durch die Schüler. Ein Blick in die klassenweise geführten Ausleihlisten zeigt, dass die jeweils freitags angebotenen Ausleihtermine von fast allen Schülerinnen und Schülern jede Woche genutzt werden.

So berichtet Ina Schwarzenau begeistert von der Leselust ihres Sohnes, Drittklässler Tim. Er leihe sich jetzt schon das elfte Buch der Reihe vom Erdmännchen „Tafiti“ aus und könne das nächste kaum erwarten. Auch bekomme sie immer wieder mit, wie sich die Kinder gegenseitig Tipps geben, wenn ihnen ein Buch besonders gefallen habe. Als Elternbeirätin ist sie besonders angetan, dass das umfangreiche Angebot allen Kindern kostenfrei und damit „unabhängig vom Geldbeutel der Eltern“ zur Verfügung stehe.

Gerti Dorsch ist immer wieder erstaunt, wie beliebt die Reihe „Was ist was“ ist. In dieser werden in Wort und Bild einzelne Themen aufbereitet wie zum Beispiel Weltraum, Roboter oder Musikinstrumente.

Fragt man Klara, Kathi, Fabian und Tim aus der dritten Klasse, kommen durchweg begeistere Reaktionen wie: tolle Bücherauswahl, passende Titel, viele Bücher über Fußball, „Frau Dorsch hilft uns bei der Auswahl“, schön dekorierter Raum oder einfach „Daumen hoch“.

 

Was ist das für ein Gütesiegel?

Initiiert und vergeben wurde es heuer erstmals vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus. Eine hochkarätig besetzte Jury verlieh es für jeweils zwei Jahre an insgesamt dreißig Schulbibliotheken in Bayern. Darunter waren allein 16 Gymnasien, aber nur ganze sechs Grundschulen.

Dass es in Oberfranken neben Hochstadt lediglich einen weiteren Preisträger gab, eine Mittelschule in Marktredwitz, unterstreicht die hohe Wertigkeit und Qualität dieser Auszeichnung für unsere heimische Schule. So schmückt jetzt den Eingang zur Bücherei eine gleich von zwei bayerischen Staatsministern – Kultus und Wissenschaft – unterschriebene Urkunde. Einen Bericht von der Verleihung findet man im Internet unter dem Suchbegriff „Gütesiegel Treffpunkt Schulbibliothek“.

Gefühle und Träume

Fragt man Gerti Dorsch von den Aktiven Bürgern, wie sie ihr ehrenamtliches Engagement erlebt, so sprudelt es geradezu aus ihr heraus: Es sei für sie immer wieder eine große Freude, Kindern den Spaß an Büchern und am Lesen zu vermitteln. „Ich bin sehr dankbar, das alles erleben zu dürfen, für mich ist das ein wichtiges Stück Lebensqualität und Lebensfreude“, sagt sie. Und sie freut sich auch, wie pfleglich die Schülerinnen und Schüler mit den ausgeliehenen Medien umgehen.

Aber sie verschweigt auch nicht, dass sie sich seitens des Ministeriums neben den „warmen Worten“ und der schönen Urkunde auch eine kleine finanzielle Anerkennung gut hätte vorstellen können.

Schulleiterin Heike Klimke freut sich, dass das intensive und beharrliche Dranbleiben am Thema Leseförderung bereits viele Früchte trägt und jetzt auch durch dieses Gütesiegel von höchster Stelle anerkannt wurde. Die Bewerbung dazu habe ihr und ihrem Lehrerkollegium das ganze umfangreiche Maßnahmenpaket wieder bewusst gemacht. Alle hätten sich dadurch auf dem eingeschlagenen Weg bestätigt gefühlt, was ein nicht zu unterschätzender Motivationsbaustein sei. Man werde sich in zwei Jahren sicher für die Verlängerung des Gütesiegels bewerben.

Einen „Traum“ äußerte sie auch noch: Schön, wäre es, wenn in einer kleinen Abteilung der Bücherei auch Literatur für die Eltern angeboten werden könnte.

Denn wie Lao Tse sagt: „Ein schönes Buch ist wie ein Schmetterling. Leicht liegt es in der Hand, entführt uns von einer Blüte zur nächsten und lässt den Himmel ahnen.“  Wer möchte das nicht …


Text: Josef Breunlein, Bilder: Aktive Bürger

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