"Flüchtlinge bringen uns zusammen"

"Die Idee für ein Begegnungsprojekt ist im Laufe des letzten Jahres entstanden", erzählt Erhard Schlottermüller von den Aktiven Bürgern. Das "Café der Begegnung" solle ein Zeichen setzen gegen Rassismus, Vorurteile und fremdenfeindliche Stammtischparolen. Wer sich wie er zum Wohle der Flüchtlinge engagiert, werde des Öfteren "eigentümlich angesprochen", sagt Erhard Schlottermüller.

Auch das Café-Projekt habe im Vorfeld massive Kritik erfahren. Aber das sei nur die eine Seite: "Wir werden von der Hilfsbereitschaft der Bevölkerung überrollt und bekommen viele Anfragen nach Möglichkeiten, sich zu engagieren." Pfarrerin Anne Salzbrenner ist auch begeistert von der Zusammenarbeit zwischen den ehrenamtlichen Helfern und der Kirchengemeinde: "Alleine hätten wir die Aktion nicht stemmen können." Durch das Projekt erleben die Beteiligten eine Grenzüberschreitung, da einerseits so viele verschiedene Konfessionen vertreten sind, aber auch, weil die Helfer aus allen Ecken des Landkreises kommen. "Die Flüchtlinge bringen uns zusammen", meint Anne Salzbrenner. "Gäbe es sie nicht, würden wir heute auch nicht hier sitzen und Kaffee trinken."

Da wäre zum Beispiel der 23-jährige Ali aus Somalia. Die Flucht nach Deutschland hat ihn über den Jemen, die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich geführt. Insgesamt sieben Monate war er unterwegs, bis er in München ankam. Seit vier Monaten lebt er nun in Lichtenfels. Mit seiner Familie steht er per Telefon in Kontakt, sie können aufgrund des Bürgerkrieges im Jemen derzeit nicht weiter nach Deutschland reisen. Wenn ihm im Gespräch mit Besucherin Sandra Nossek das richtige Vokabular fehlt, wechseln sie mal ins Englische oder helfen sich mit Gestikulieren weiter. Kommen Hana Demis aus Äthiopien Verständigungsprobleme in die Quere, hilft ihr ihr neun Monate alter Sohn dabei, das Eis zu brechen: Der kleine Yegeta strahlt so süß und glücklich in die Runde, dass sich immer wieder Besucher zu der kleinen Familie setzen und miteinander ins Gespräch kommen. Seit einem Jahr ist auch Achmed in Deutschland, momentan wohnt er in Michelau. Seine Familie konnte bisher nicht aus Syrien nachkommen, es fehle dafür einfach an Geld. „Aber alle wollen nach Deutschland“, beschreibt Achmed die Situation seiner Angehörigen. In einer spontanen Aktion bringen die Lichtenfelser Maria und Antonio Sorriento Kisten mit frischem Obst aus dem eigenen Garten im Café vorbei. „Wir haben selbst zu viel und die Flüchtlinge haben nichts“, sagen sie. Die Organisatoren sind mit dem Projekt vollauf zufrieden: „Sie sehen mich strahlen!“, meint Erhard Schlottermüller. Und Anne Salzbrenners Fazit lautet: "Es läuft perfekt: Hier sind Flüchtlinge, hier sind Einheimische und sie sprechen miteinander."

Die Veranstaltungsreihe "Café der Begegnung" sieht vorläufig zwei Treffen im Monat vor.

Text: Teresa Hirschberg, OT Lichtenfels, Foto: Breunlein

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