Ein vielseitig Engagierter: Günter Lutz aus Lichtenfels

Die Sonne scheint und Vögel zwitschern, während sich bereits die Blätter bunt färben. „Das mehrtägige Wandern draußen in der Natur ist schon immer etwas Besonderes“, erzählt Günter Lutz. Als Wanderwegemarkierer und Wanderführer beim TV Unterwallenstadt ist er viel unterwegs. Aber sein Weg führte ihn auch schon viel weiter – bereits mehrmals bis nach Spanien.

Beim TV Unterwallenstadt engagiert sich Lutz seit 15 Jahren. „Als Wanderführer plane ich jeden Monat eine Wanderung in Franken“, berichtet er. „Außerdem machen wir jedes Jahr eine Wanderung über mehrere Tage mit Mitgliedern aus dem Turnverein, aber auch mit vielen, die nicht Mitglieder sind, sondern nur das Wandern lieben.“

Über die Jahre sind da einige interessante Touren zusammengekommen: „So waren wir insgesamt drei Wochen auf dem Rheinsteig unterwegs, wanderten die 110 Kilometer durchs Taubertal, durchquerten das Maintal von Volkach bis nach Miltenberg und lernten den Sächsischen Weinwanderweg von Pirna nach Meißen kennen“, zählt Lutz auf. Hierbei übernimmt er Organisation und Führung. „Man freut sich über Kleinigkeiten, genießt jeden Tag und jede Stunde und wird bescheiden.“

Einmal im Jahr ist er auf dem Jakobsweg unterwegs. Zurzeit wandert er wieder abschnittsweise mit einer Gruppe nach Santiago de Compostela. „In diesem Jahr haben wir die Hälfte der Schweiz durchquert.“

An ein Erlebnis erinnert sich Lutz heute noch gerne: „Es war in Mansilla de las Mulas, einer verschlafenen Kleinstadt in der Meseta, als ich abends meinen Bart schneiden lassen wollte. Ich irrte durch die Gassen, es dämmerte langsam, und ich fragte eine Frau im holperigen Spanisch nach dem Friseur.“ Daraufhin führte ihn die Frau quer durch die Stadt. „Mir wurde schon ein wenig mulmig dabei. Plötzlich standen wir vor einem windschiefen Haus, die Frau öffnete eine Tür, und wir waren tatsächlich in einem blitzsauberen Friseursalon gelandet. Ich bekam einen Bartschnitt, wurde zu einem Kaffee eingeladen und danach noch zu einem Glas Rotwein.“

Günter Lutz betätigt sich nicht nur als Wanderführer. Er hilft auch, die Wanderwege im Landkreis Lichtenfels zu unterhalten. Das heißt, er geht die Wege regelmäßig ab und bessert die Wandermarkierungen aus. „Bei den meisten meiner Tätigkeiten hat mich irgendeiner gefragt, ob ich das machen will, und ich habe einfach ,Ja‘ gesagt.“

 „Als ich 2012 in Pension ging, wurden gerade Fahrer für die Lichtenfelser Tafel gesucht, und da habe ich mich einfach gemeldet“, erwähnt Lutz ein weiteres Ehrenamt. „Ich mache das alles gerne. Ich kann anderen Menschen helfen, und ich lerne wunderbare Menschen dabei kennen, die genauso denken.“

Einmal durfte er ein ganzes Auto voller Erdbeeren abholen. „Da haben wir lange gebraucht, bis wir alles losgebracht haben“, sagt er lachend. „Auch wenn es vielleicht ein wenig salbungsvoll klingt – Ich bin der Meinung, dass wir in einem wunderbaren Land leben und man sich dafür ruhig ein wenig nützlich machen kann.“

Günter Lutz ist auch seit 25 Jahren Schulweghelfer sowie Ortsvorsitzender beim Bund Naturschutz. „Die Natur ist mir schon immer ans Herz gewachsen. Ich bin sozusagen mit grünen Gedanken aufgewachsen“, sagt er.

Die Katastrophe in Tschernobyl 1986 habe ihn zum Nachdenken über die Atomenergie gebracht und schließlich zum Beitritt in den Bund Naturschutz geführt. „Nachdem meine Kinder auf die Welt gekommen sind, habe ich mit anderen Mitgliedern eine Kindergruppe in Lichtenfels gegründet, die schließlich fast zehn Jahre bestanden hat.“

„Wenn ich an die Zukunft denke, hoffe ich für mich persönlich, dass es einfach noch etliche Jahre so weitergeht und dass bald die ,Nach-Corona-Zeit‘ beginnt.“

Bild und Text: Esther Schadt, Obermain-Tagblatt vom 31.10.2020

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