ehrensache - Newsletter 18

Christian Meißner
Christian Meißner, Landrat des
Landkreises Lichtenfels und
Vorsitzender des Stiftungsvorstandes
der Bürgerstiftung für Jugend und
Familie im Landkreis Lichtenfels

Liebe Leserinnen und Leser,

was macht Sie, was macht uns glücklich? Seit Langem beschäftigen sich Glücksforscher mit dieser Frage. Eine Langzeitstudie der Harvard University belegt, dass uneigennützige Menschen, die sich sozial oder politisch engagieren, glücklicher sind als Personen, die die eigene Karriere verfolgen und nach materiellen Zielen streben.

„Wenn du glücklich sein willst, mach‘ andere glücklich!“, wird Dada Vaswani zitiert, Martin Luther King meinte: Die drängendste und wichtigste Frage des Lebens ist: Was können wir für andere tun?“ Die „Aktiven Bürger“ geben seit zehn Jahren Antwort, wie vielfältig wir uns für andere, für die Schwächeren in unserer Gesellschaft, einsetzen können. Sie gehen mit gutem Beispiel voran.

Und weil wir es eingangs vom Glück hatten:
Als Landrat und als Vorsitzender des Stiftungsvorstandes der Bürgerstiftung für Jugend und Familie schätze ich mich sehr glücklich, dass es bei uns im Landkreis so viel selbstloses Engagement gibt. Dafür sage ich Ihnen ein herzliches Dankeschön. Doch gleichzeitig möchte ich Sie bitten: Lassen Sie bitte nicht nach in Ihrem Engagement für andere! Jede helfende Hand wird gebraucht. Bitte bringen Sie ihr Wissen, Ihre Erfahrung, Ihre Kompetenz auch weiterhin mit ein – und werben Sie für unsere Bürgerstiftung, und geben Sie weiter, dass es Freude bereitet, Gutes zu tun.

„Ehrensache“ – wie auch der Titel dieses Newsletters lautet – ist es für die inzwischen annähernd 400 „Aktiven Bürger“, sich ehrenamtlich für andere Menschen bei uns im Landkreis einzusetzen, und das zum Teil über lange Zeit hinweg und mehrmals in der Woche – jeder nach seinen Möglichkeiten. Seit ihrer Gründung vor zehn Jahren haben sie Unglaubliches bewegt – doch eine große Feier zum kleinen Jubiläum musste ausbleiben – nicht zuletzt aufgrund der Beschränkungen infolge der Pandemie.

Diese wiederum hat uns eines noch einmal viel deutlicher vor Augen geführt: Nämlich, wie wichtig ein menschliches Miteinander ist und wie dringend wir gerade in diesen schwierigen Zeiten Menschen brauchen, die sich für andere einsetzen. Gleichzeitig ist es durch die Einschränkungen und insbesondere die Kontaktbeschränkungen infolge der Pandemie nicht einfacher geworden. Ein Glück, dass unsere engagierten Frauen und Männer Mittel und Wege gefunden haben, ihre Aufgaben dennoch fortzuführen, nicht zuletzt mit modernen digitalen Möglichkeiten.

Regelmäßig zu helfen – das ist etwas ganz Besonderes. Ehrenamtliches Engagement ist unbezahlbar und zugleich Gold wert. Wir müssen uns vor Augen halten: Wenn wir alles professionalisieren müssten, wäre unsere Gesellschaft sehr viel schlechter dran.

Ein Ehrenamt erfordert Zeit und Kraft, Ausdauer und Verlässlichkeit und oft gute Nerven. Doch es gibt auch viel zurück, insofern profitieren beide Seiten. „Nehmen füllt die Hände. Geben füllt das Herz“, sagt Margarete Seemann. Geben kann man in verschiedensten Formen: Geld, Zeit, Verständnis, Wärme, Sinn, Freude, aber immer auch Hoffnung. Gute Taten geben uns Stärke und inspirieren uns und auch andere, Gutes zu tun. Deswegen möchte ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, ermuntern, sich und Ihre Fähigkeiten mit einzubringen. Wir brauchen Sie! Unsere Gesellschaft braucht Sie!

In unserer Gesellschaft bedarf es vieler Netzwerke und es bedarf bestimmter Strukturen. Gerade die Netzwerke haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert. Deswegen muss Ehrenamt im 21. Jahrhundert auch darauf eingehen. Netzwerke, die es früher gab – die Großfamilien zum Beispiel–, existieren vielfach nicht mehr. Umso mehr brauchen wir in unserer Gesellschaft aktuell Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren.

Gerade bei den Aktiven Bürgern bieten sich viele verschiedene Möglichkeiten, mit kleinen Dingen Großes zu bewegen: beispielsweise als Lesepatin/Lesepate in den Schulen, als Spielzeugdoktoren in den Kindergärten, als Unterstützer/in in den Seniorenheimen oder als Helfer/in bei den „Tafeln“, mit Diavorträgen oder Gesellschaftsspielen in Behinderteneinrichtungen und vieles mehr. Die „Aktiven Bürger“ suchen und finden ihre Tätigkeitsfelder auf Gebieten, denen bislang weniger Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Sie verstehen sich aber auch als Anlauf-, Informations- und Vermittlungsstelle, für all jene, die sich in irgendeiner Weise ehrenamtlich einbringen möchten.

Die Aktiven Bürger vermitteln soziale Kompetenz, schaffen bessere Rahmenbedingungen, wo es vielleicht manchmal ausweglos scheint, bieten nach Kräften Unterstützung und Perspektiven. Es ist schön zu sehen, wie gut sich dieses Projekt entwickelt hat und ich möchte Ihnen allen ans Herz legen: Helfen auch Sie, dass es weiterwächst, dass sich immer mehr Menschen dafür begeistern. Es ist wichtig, dass wir die geschaffenen Strukturen weiter ausbauen und uns dafür einsetzen, gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen.

Allerdings ist auch die Bürgerstiftung zunehmend auf Spenden angewiesen. Monat für Monat ist ein Berg an Fixkosten zu stemmen. Aufgrund des extrem niedrigen Zinsniveaus kann die Bürgerstiftung selbst im Augenblick aus dem Stiftungskapital kaum noch Fördermittel erwirtschaften. Deswegen ist finanzielle Unterstützung umso wichtiger für sie. Vielleicht suchen Sie ja zu Weihnachten noch nach einem sinnvollen Geschenk: Eine Spende für die „Aktiven Bürger“ ist stets gut investiertes Geld.

Gerade in diesen schwierigen Zeiten ist es elementar wichtig, an jene zu denken, mit denen es das Schicksal nicht so gut meint. Manchmal braucht es nur eine gute Tat, um das Leben eines Menschen zu verändern, es entscheidend zu verbessern.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien alles Gute!

Ihr

Christian Meißner

Landrat und Vorsitzender des Stiftungsvorstandes der Bürgerstiftung für Jugend und Familie

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